Tennisarm und Golfarm verstehen – Anatomie, Biomechanik und die Kraftketten von Hand, Ellenbogen und Schulter
- 29. Dez. 2025
- 9 Min. Lesezeit

1️⃣ Tennisarm und Golfarm – zwei Begriffe, ein funktionelles Problem
Der Begriff Tennisarm beschreibt zunächst keine Sportverletzung, sondern einen Schmerzkomplex im Bereich des Ellenbogens. Konkret liegen die Schmerzen typischerweise an der Außenseite des Ellenbogens, wenige Zentimeter oberhalb des Gelenkspalts. Medizinisch spricht man hier von einer lateralen Epicondylopathie – also einer schmerzhaften Veränderung am knöchernen Ansatz der Sehnen auf der Außenseite des Oberarmknochens.
Der Golfarm betrifft spiegelbildlich die Innenseite des Ellenbogens, ebenfalls im Bereich der Sehnenansätze, und wird als mediale Epicondylopathie bezeichnet. Die Schmerzen sitzen dabei meist direkt über dem knöchernen Vorsprung an der Innenseite und können in den Unterarm hineinziehen.
Wichtig ist:
Beide Begriffe beschreiben nicht den Auslöser, sondern die Lokalisation der Beschwerden. Ob jemand Tennis spielt, Golf spielt oder nie einen Schläger in der Hand hatte, ist dafür zweitrangig.
Was in beiden Fällen gleich ist, ist der betroffene Gewebetyp. Es handelt sich nicht primär um eine Entzündung, sondern um eine Belastungs- und Anpassungsproblematik des Sehnengewebes – genauer gesagt um eine Tendinose.
Studien zeigen, dass bei diesen Beschwerden kaum klassische Entzündungszellen zu finden sind, sondern vielmehr mikroskopische Veränderungen der Sehnenstruktur, eine veränderte Durchblutung und eine gestörte Belastungsverarbeitung (Khan et al., Cook & Purdam).
Man kann sich Tennisarm und Golfarm deshalb weniger wie eine „entzündete Stelle“ vorstellen, sondern eher wie ein überfordertes Übergangsgewebe, das über längere Zeit mehr Zug aufnehmen musste, als es verarbeiten konnte.
Ein alltagsnahes Bild dafür ist ein Knotenpunkt in einem Seilsystem:
Mehrere Seile ziehen aus unterschiedlichen Richtungen an derselben Öse. Jedes einzelne Seil ist für sich genommen nicht problematisch – aber die Summe der Zugkräfte entscheidet. Genau so wirken beim Tennis- und Golfarm verschiedene Muskelzüge auf denselben Sehnenansatz.
2️⃣ Anatomie und Biomechanik des Ellenbogens – warum alles an einer Stelle zusammenläuft
Der Ellenbogen ist anatomisch kein „einfaches Scharnier“, sondern ein hochkomplexer Knotenpunkt, an dem mehrere Systeme zusammentreffen: Knochen, Sehnen, Muskeln, Faszien und Nerven.
Drei Knochen treffen hier aufeinander:
der Oberarmknochen
die Elle
die Speiche
Was ihn besonders macht:
Am Ellenbogen enden keine großen Muskelbäuche, sondern Sehnen, also die „Zugseile“ der Muskulatur. Genau hier setzen die Muskeln des Unterarms an, die unsere Hand steuern und es entsteht die besondere Anfälligkeit für Tennis- und Golfarm.
Bleiben wir beim Bild des Zelts:
Der Ellenbogen ist wie eine zentrale Metallöse, durch die mehrere Seile geführt werden. Diese Seile stehen für die Muskeln des Unterarms. Die Öse selbst ist der knöcherne Vorsprung am Oberarmknochen – der sogenannte Epicondylus. An ihm setzen die Sehnen an, die die Kraft der Muskeln auf den Knochen übertragen.
Die „Seile“: Muskeln des Unterarms
An der Außenseite des Ellenbogens (Tennisarm) setzen vor allem die Sehnen der Hand- und Fingerstrecker an.
Diese Muskeln sorgen dafür, dass wir:
die Hand aufrichten
Finger strecken
einen festen Griff stabilisieren
Bewegungen fein dosieren (z. B. Maus, Stift, Werkzeug)
An der Innenseite des Ellenbogens (Golfarm) liegen die Ansätze der Hand- und Fingerbeuger.
Sie sind aktiv bei:
Greifen
Festhalten
Tragen
Kraftvollem Zupacken
Wichtig ist:
👉 Diese Muskeln arbeiten nie isoliert. Selbst kleine Bewegungen der Hand erzeugen Zugkräfte, die bis zum Ellenbogen weitergeleitet werden.
Die Öse: Sehnenansatz als Schwachstelle
Sehnen sind biologisch betrachtet Übergangsgewebe. Sie verbinden elastische Muskeln mit hartem Knochen. Genau dieser Übergang ist mechanisch besonders sensibel.
Studien zeigen, dass der Sehnenansatz schlechter durchblutet ist als Muskelgewebe und sich langsamer anpasst (Benjamin et al.).
Das bedeutet:
Wenn Zugkräfte häufiger oder ungewohnt auftreten, reagiert dieser Bereich langsamer, aber sehr deutlich.
Im Zeltbild:
Die Öse selbst bewegt sich nicht – aber alle Zugspannungen laufen dort zusammen. Wenn mehrere Seile gleichzeitig ziehen oder ein Seil plötzlich stärker belastet wird, entsteht genau dort die höchste Belastung.
Biomechanik: Warum Handbewegungen den Ellenbogen stressen
Biomechanisch betrachtet ist der Ellenbogen Teil einer Kraftkette. Bewegungen der Finger, der Hand oder des Handgelenks erzeugen Hebelkräfte, die sich am Ellenbogen bündeln.
Ein Beispiel aus dem Alltag:Wenn du eine Tasche trägst, arbeiten nicht nur die Finger. Die Muskeln im Unterarm stabilisieren, der Ellenbogen dient als Umlenkpunkt, die Schulter hält die Position – und der Rumpf sorgt für Gegenspannung.
Je weiter die Hand vom Körper entfernt ist, desto größer wird der Hebel.
👉 Kleine Kräfte an der Hand können dadurch große Zugkräfte am Sehnenansatz erzeugen.
Das erklärt auch, warum Tennisarm nicht plötzlich, sondern meist schleichend entsteht. Die Summe der Zugreize verändert die Struktur des Sehnengewebes – lange bevor ein klarer Schmerz auftritt (Cook & Purdam).
Faszien und Nervensystem – die unsichtbaren Mitspieler
Zur Anatomie gehört nicht nur Muskel und Sehne. Die Faszien verbinden Unterarm, Ellenbogen, Oberarm und Schulter zu einem durchgehenden Spannungsnetz. Veränderungen in einem Abschnitt beeinflussen immer auch die anderen.
Zusätzlich verlaufen in unmittelbarer Nähe wichtige Nervenstrukturen, die die Spannung und Wahrnehmung regulieren. Wird das Gewebe sensibler, verändert sich nicht nur die Belastbarkeit, sondern auch die Schmerzverarbeitung (Butler & Moseley).
Das bedeutet:
👉 Der Ellenbogen reagiert nicht nur mechanisch, sondern auch neurophysiologisch.
Warum Anatomie und Biomechanik nicht zu trennen sind
Anatomie beschreibt, was wo liegt.
Biomechanik beschreibt, wie Kräfte wirken.
Beim Tennis- und Golfarm sind beide untrennbar miteinander verbunden. Die anatomische Bündelung vieler Sehnen an einer Stelle trifft auf biomechanische Hebelkräfte aus dem Alltag. Genau diese Kombination macht den Ellenbogen so anfällig.
Oder im Bild gesagt:
Nicht ein einzelnes Seil ist das Problem – sondern die Art, wie viele Seile gleichzeitig an derselben Öse ziehen.
3️⃣Bewegung ist immer Teil einer Kraftkette – warum der Ellenbogen nie allein arbeitet
Um Tennisarm und Golfarm wirklich zu verstehen, muss man einen grundlegenden Gedanken verinnerlichen:
👉 Keine Bewegung im Körper ist isoliert.
Der Ellenbogen liegt dabei nicht „zwischen zwei Gelenken“, sondern in einem funktionellen Spannungsnetz, das von den Fingern bis in den Nacken – und sogar bis zum Kiefer – reicht.
Bleiben wir beim Zelt, aber denken es weiter:
Ein Zelt besteht nicht aus einer Öse mit ein paar Seilen, sondern aus einem ganzen System von Seilen, die untereinander verbunden sind. Ziehst du an einem Seil, verändert sich die Spannung im gesamten Zelt. Manche Ösen werden stärker belastet, andere entlastet – auch wenn du sie gar nicht direkt berührst.
Genau so funktioniert der menschliche Körper.
⛓️Jede Handbewegung ist Teil einer Kraftkette
Wenn du deine Hand bewegst – z. B. eine Maus klickst, eine Flasche öffnest oder ein Werkzeug führst – passiert biomechanisch Folgendes:
Die Finger erzeugen Kraft
Diese Kraft wird über die Unterarmmuskeln weitergeleitet
Die Sehnen bündeln diese Kräfte am Ellenbogen
Die Schulter stabilisiert die Bewegung
Der Rumpf liefert Gegenspannung
Der Ellenbogen ist dabei keine aktive „Kraftquelle“, sondern eine Umlenkstation. Er sammelt Zugkräfte, die von unten (Hand) und oben (Schulter) kommen.
Studien zur myofaszialen Kraftübertragung zeigen, dass Kräfte nicht nur über Gelenke, sondern auch über Faszienketten weitergegeben werden (Huijing; Schleip et al.).
👉 Das bedeutet:
Ein Problem am Ellenbogen kann entstehen, ohne dass der Ellenbogen selbst „falsch benutzt“ wure.
📐Schulter, Nacken und Ellenbogen – das funktionelle Dreieck
Biomechanisch bilden Schulter, Ellenbogen und Hand ein funktionelles Dreieck. Innerhalb dieses Dreiecks wird Kraft verteilt, gedämpft oder verstärkt.
Ein Beispiel aus dem Alltag:
Eine Person arbeitet viel am Laptop. Die Schultern sind leicht hochgezogen, der Nacken angespannt. Die Schulter verliert ihre feine Beweglichkeit.
Was passiert?
👉 Der Körper sucht Stabilität – und findet sie im Ellenbogen.
👉 Die Unterarmmuskeln arbeiten härter, um Bewegungen zu kontrollieren.
👉 Die Zugspannung am Sehnenansatz steigt.
Der Ellenbogen übernimmt also kompensatorisch Aufgaben, die eigentlich Schulter und Rumpf leisten sollten.
Das ist biomechanisch gut untersucht:
Eingeschränkte Schulterbeweglichkeit erhöht messbar die Belastung im Ellenbogenbereich (Coombes et al.).
Im Zeltbild:
Wenn ein Hauptseil (Schulterstabilität) nachlässt, müssen kleinere Seile (Unterarmmuskeln) mehr Spannung aufnehmen.
Ein weiterer, sehr alltagsnaher Aspekt dieser Kraftkette zeigt sich bei feinen, scheinbar harmlosen Handbewegungen.
Ein typisches Beispiel:
Jemand schreibt längere Zeit und hält den Stift sehr fest – aus Konzentration, Stress oder Gewohnheit ✍️. Die Fingerbeugemuskeln arbeiten dabei dauerhaft mit erhöhter Spannung. Diese Spannung endet nicht in den Fingern, sondern wird über die Sehnen direkt in den Unterarm weitergeleitet und sammelt sich erneut am Ellenbogen.
Ähnlich verhält es sich bei handwerklichen Tätigkeiten:
Längeres Schrauben, Festhalten von Werkzeugen oder wiederholtes Greifen erzeugt eine konstante Grundspannung im Finger- und Handbereich 🔩. Je stärker und dauerhafter der Griff, desto höher die Zugkräfte, die über die Unterarmmuskulatur auf den Sehnenansatz am Ellenbogen wirken.
Biomechanisch betrachtet bedeutet das:
👉 Nicht die Bewegung selbst ist das Problem, sondern die dauerhaft erhöhte Spannungsintensität.
👉 Eine übermäßig feste Griffspannung verändert die Kraftverteilung innerhalb der gesamten Kette – von den Fingern über den Unterarm bis zum Ellenbogen.
Im Bild des Zeltes heißt das:
Ein einzelnes Seil wird dauerhaft stärker angezogen. Die Öse hält das zunächst aus – doch mit der Zeit steigt die Belastung genau an diesem Punkt, obwohl das gesamte Zelt weiterhin steht.
⚡Hand, Ellenbogen und Kiefer – warum Spannung wandern kann
Was viele überrascht, aber neurophysiologisch gut erklärbar ist:
Kiefer, Hand und Ellenbogen sind über Faszien und das Nervensystem eng gekoppelt.
Der Kiefer gehört zu den sensibelsten Bereichen des Körpers. Stress, Konzentration oder emotionale Anspannung erhöhen dort automatisch den Muskeltonus.
Diese Spannung überträgt sich über:
Halsfaszien
Schulter-Nacken-Muskulatur
Armfaszien
Unterarmmuskeln
Studien zeigen, dass erhöhter Kiefermuskeltonus mit erhöhter Aktivität der Unterarmmuskulatur einhergehen kann (Farella et al.).
Ein alltägliches Beispiel:
Jemand arbeitet hochkonzentriert, presst unbewusst die Zähne zusammen und tippt gleichzeitig viel.
👉 Die Hand arbeitet feinmotorisch
👉 Der Kiefer erhöht die Grundspannung
👉 Der Ellenbogen wird zum Sammelpunkt dieser Spannungen
Im Zeltbild:
Ein Seil wird oben (Kiefer) angezogen – die Spannung landet unten an einer völlig anderen Öse.
🧩Warum das für Tennis- und Golfarm entscheidend ist
Diese Zusammenhänge erklären, warum:
Tennisarm nicht nur ein „Unterarmproblem“ ist
Schmerzen entstehen können, ohne dass lokal etwas „kaputt“ ist
reine lokale Behandlung oft nicht ausreicht
Der Ellenbogen ist kein Täter, sondern oft der Ort, an dem sich das System meldet.
Oder anders gesagt:
👉 Der Schmerz sitzt am Ellenbogen
👉 Die Ursache liegt oft in der Kraftverteilung des gesamten Systems.
3️⃣ Unterarmverspannung oder Tennis-/Golfarm?
Warum sich das ähnlich anfühlt – aber nicht dasselbe ist
Viele Menschen spüren Schmerzen im Unterarm oder am Ellenbogen und denken sofort:„Das ist bestimmt ein Tennisarm.“
In der Praxis ist das jedoch sehr häufig nicht der Fall.
Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Schmerzintensität, sondern in der Art des Gewebes, das betroffen ist – und in der Zeit, über die sich die Beschwerden entwickelt haben.
🔹 Die einfache Unterarmverspannung – ein akuter Spannungszustand
Eine klassische Muskelverspannung entsteht, wenn Muskeln vorübergehend überlastet oder ungewohnt beansprucht werden.
Typische Situationen sind:
längeres Schreiben mit starkem Griff ✍️
intensives Arbeiten mit Werkzeug 🔧
ungewohnte Garten- oder Renovierungsarbeiten
einseitige Belastung nach längerer Pause
Im Zeltbild gesprochen:
Ein oder zwei Seile werden kurzzeitig stärker angezogen. Die Öse hält das problemlos aus. Das System bleibt grundsätzlich stabil.
Biologisch passiert Folgendes:
Die Muskulatur erhöht ihren Tonus (Spannung)
die Durchblutung ist kurzfristig reduziert
Stoffwechselprodukte sammeln sich im Muskel
Das Gewebe selbst ist dabei nicht strukturell verändert.
Studien zeigen, dass solche Spannungszustände sich oft innerhalb weniger Tage zurückbilden, sobald die Belastung reduziert oder variiert wird (Proske & Morgan).
👉 Charakteristisch für eine Verspannung:
dumpfer, drückender Schmerz
oft flächig, nicht punktgenau
verbessert sich durch Wärme, Bewegung oder Massage
verändert sich deutlich von Tag zu Tag
🔹 Tennis- und Golfarm – eine Anpassungsstörung des Sehnengewebes
Beim Tennis- oder Golfarm liegt keine einfache Muskelverspannung vor. Hier ist das Sehnengewebe am Ellenbogenansatz betroffen – genauer gesagt eine sogenannte Tendinose.
Wichtig:
👉 Eine Tendinose ist keine klassische Entzündung, sondern eine Überlastungs- und Anpassungsstörung des Sehnengewebes (Cook & Purdam).
Im Zeltvergleich:
Nicht nur ein Seil wird stärker gezogen – mehrere Seile ziehen über längere Zeit mit ähnlicher Spannung an derselben Öse.
Die Öse selbst beginnt sich zu verändern. Sie wird empfindlicher, reagiert schneller auf Zug und verliert kurzfristig an Belastbarkeit.
Biologisch bedeutet das:
Veränderungen in der Kollagenstruktur der Sehne
reduzierte Belastungstoleranz
erhöhte mechanische Sensibilität
veränderte Signalverarbeitung im Nervensystem
Diese Prozesse entstehen nicht über Nacht, sondern entwickeln sich schleichend – oft über Wochen oder Monate.
👉 Typisch für Tennis- oder Golfarm:
klar lokalisierter Schmerz am Knochenansatz
Druckschmerz an einer sehr spezifischen Stelle
Schmerzen bei bestimmten Greif- oder Haltebewegungen
Beschwerden bleiben auch nach Ruhephasen bestehen
Belastung fühlt sich „unsicher“ oder stechend an
🔹 Warum sich beides ähnlich anfühlt – aber anders behandelt werden muss
Der Grund, warum Verspannung und Tennisarm oft verwechselt werden, liegt im Nervensystem.
Schmerz wird nicht im Muskel oder in der Sehne erzeugt, sondern im Gehirn bewertet.
Ein sensibilisiertes Sehnen-Nerven-System meldet Belastung früher und deutlicher (Butler & Moseley). Dadurch können sich die Symptome subjektiv sehr ähnlich anfühlen – obwohl die Ursache eine andere ist.
Im Bild:
Die Alarmanlage reagiert schneller – obwohl das Zelt noch steht.
👉 Genau deshalb funktioniert bei einer Tendinose:
reine Schonung oft nicht
nur Massage meist nur kurzfristig
„abwarten“ allein häufig nicht ausreichend
Während eine Muskelverspannung Erholung braucht, benötigt ein Tennis- oder Golfarm gezielte, dosierte Belastung, damit sich das Gewebe wieder anpassen kann.
🔹 Kurz gesagt – der entscheidende Unterschied
Verspannung:
Vorübergehender Spannungszustand der Muskulatur, gut reversibel
Tennis-/Golfarm:
Strukturelle Anpassungsstörung des Sehnengewebes mit veränderter Belastungstoleranz
Oder im Zeltbild:
Verspannung = ein Seil kurz zu fest gezogen
Tennisarm = die Öse selbst ist empfindlicher geworden
💬Fazit – Tennisarm und Golfarm richtig verstehen
Tennisarm und Golfarm sind keine einfachen Muskelprobleme und auch keine reinen Sportverletzungen. Sie entstehen im Spannungsfeld aus Anatomie, Biomechanik und Nervensystem – dort, wo Kräfte gebündelt, weitergeleitet und bewertet werden.
Der Ellenbogen ist dabei keine isolierte Struktur, sondern eine zentrale Umlenkstelle innerhalb einer komplexen Kraftkette:Hand, Unterarm, Ellenbogen, Schulter, Nacken und sogar der Kiefer arbeiten funktionell zusammen. Jede Greifbewegung, jedes Schreiben, jedes Halten oder Ziehen spannt dieses System wie ein Zelt aus vielen Seilen.
Nicht jeder Schmerz im Unterarm ist deshalb gleich ein Tennis- oder Golfarm.Eine vorübergehende Muskelverspannung unterscheidet sich grundlegend von einer Tendinose, bei der sich das Sehnengewebe über Zeit an wiederkehrende Belastungen angepasst – und dadurch empfindlicher – hat.
Entscheidend ist:Es handelt sich primär nicht um eine Entzündung, sondern um eine Belastungs- und Anpassungsproblematik von Sehnengewebe. Wer diesen Unterschied versteht, erkennt, warum einfache Schonung oder kurzfristige Maßnahmen oft nicht ausreichen – und warum eine differenzierte Betrachtung so wichtig ist.
🔜Ausblick – Beitrag 2:
Wie entsteht ein Tennis- oder Golfarm wirklich?
Im nächsten Beitrag gehen wir einen Schritt weiter und beantworten die zentrale Frage:
👉 Warum entwickelt sich aus alltäglichen Bewegungen plötzlich ein Tennis- oder Golfarm?
Dabei schauen wir uns an:
welche Belastungsmuster das Sehnengewebe überfordern
warum Wiederholung oft problematischer ist als hohe Kraft
welche Rolle Stress, Nervensystem und Bewegungsgewohnheiten spielen
weshalb Tennisarm häufig kein Sportproblem, sondern ein Alltagsproblem ist
Erst wenn die Ursachen klar sind, kann Therapie gezielt ansetzen – und genau dort setzen wir im nächsten Teil an.




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