Pilates heute – Unterschiede, Atmung und moderne Trainingsformen verstehen
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Pilates hat sich verändert – und genau das ist ein wichtiger Teil seiner Geschichte. Was heute in einem Pilates-Kurs passiert, muss nicht mehr genauso aussehen wie bei Joseph Pilates vor rund hundert Jahren. Matte, Reformer, Kleingeräte, Rehabilitation oder moderne Fitnesskonzepte können sehr unterschiedlich wirken und trotzdem auf gemeinsamen Grundgedanken aufbauen.
Diese Entwicklung ist nicht automatisch ein Verlust der ursprünglichen Methode. Im Gegenteil: Eine Trainingsform kann sich weiterentwickeln, wenn sich unser Wissen über Bewegung, Belastung und den menschlichen Körper verändert. Die heutige Forschung untersucht Pilates deshalb unter anderem im Hinblick auf Gleichgewicht, körperliche Leistungsfähigkeit, Haltung und funktionelle Fähigkeiten. Eine systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse aus dem Jahr 2024 mit 39 Studien und 1.770 Teilnehmenden kam beispielsweise zu dem Ergebnis, dass Pilates bei älteren Erwachsenen das statische und dynamische Gleichgewicht verbessern kann. Gleichzeitig betonten die Autoren, dass die Evidenz je nach Ergebnis nur eine niedrige bis moderate Sicherheit aufweist (Campos Júnior et al., 2024).
Genau hier wird Pilates heute interessant: Nicht jede moderne Variante muss identisch aussehen, um sinnvoll zu sein. Entscheidend ist vielmehr, was mit den Übungen erreicht werden soll, wie sie aufgebaut sind und ob sie zum Menschen passen, der sie ausführt.
Pilates heute – warum die Methode so vielseitig geworden ist
Wenn man heute von Pilates spricht, kann damit ganz Unterschiedliches gemeint sein: eine ruhige Einheit auf der Matte, ein Training am Reformer oder ein gezielt angepasstes Training im rehabilitativen Bereich. Auf den ersten Blick haben diese Formen wenig gemeinsam – und trotzdem können sie alle Pilates sein.
Der Grund: Pilates besteht nicht nur aus einer festen Liste von Übungen. Entscheidend ist vielmehr, wie eine Bewegung ausgeführt und an den jeweiligen Menschen angepasst wird. Eine Übung kann vereinfacht, erschwert, mit Widerstand oder mit Unterstützung durchgeführt werden, ohne dass ihr grundlegendes Prinzip verloren geht.
Genau diese Anpassungsfähigkeit hat dazu beigetragen, dass sich Pilates weiterentwickeln konnte. Heute wird es beispielsweise im Fitnessbereich, im Tanz, im Gesundheitssport und in der Rehabilitation eingesetzt. Auch die aktuelle Forschung untersucht Pilates in unterschiedlichen Bereichen, etwa hinsichtlich Gleichgewicht und körperlicher Funktion (Campos Júnior et al., 2024).
Pilates heute bedeutet deshalb nicht, dass jede Stunde gleich aussehen muss. Die Form kann sich verändern – entscheidend ist, was hinter der Bewegung steckt.
Welche unterschiedlichen Formen daraus entstanden sind und was beispielsweise einen Reformer vom klassischen Mattenpilates unterscheidet, schauen wir uns jetzt genauer an.
Welche Pilates-Formen gibt es heute?
Pilates kann auf der Matte stattfinden, an einem Reformer oder an Geräten wie Cadillac, Chair und Barrel. Die Unterschiede liegen dabei vor allem darin, wie der Körper bei einer Bewegung unterstützt oder gefordert wird. Die grundlegenden Prinzipien – kontrollierte Bewegung, Konzentration, Atmung und eine bewusste Körperorganisation – können dabei in allen Formen erhalten bleiben. Joseph Pilates selbst entwickelte bereits verschiedene Geräte, darunter Reformer, Trapeze Table und Wunda Chair, um sein Bewegungssystem auf unterschiedliche Weise umzusetzen (Pilates Method Alliance, 2026).
Matten-Pilates
Beim Matten-Pilates wird hauptsächlich mit dem eigenen Körpergewicht gearbeitet. Dadurch ist es besonders unkompliziert zugänglich und lässt sich auch ohne großes Equipment durchführen. Kleine Hilfsmittel wie ein Ball, ein Ring, ein Band oder eine Rolle können trotzdem eingesetzt werden, um eine Übung zu unterstützen oder ihre Anforderungen zu verändern.
Für wen interessant? Matten-Pilates eignet sich besonders für Menschen, die unkompliziert trainieren möchten oder zunächst ein Gefühl für die grundlegenden Bewegungen entwickeln wollen. Gleichzeitig kann es für Fortgeschrittene sehr anspruchsvoll werden – das Fehlen eines Gerätes bedeutet nicht automatisch eine geringere Trainingsanforderung.

Reformer-Pilates
Beim Reformer liegt oder sitzt man auf einem beweglichen Schlitten, der über Federn mit einem einstellbaren Widerstand verbunden ist.
Dadurch kann eine Bewegung sowohl erschwert als auch unterstützt werden. Genau diese Kombination macht den Reformer so vielseitig: Eine Feder kann beispielsweise zusätzlichen Widerstand erzeugen, während das Gerät gleichzeitig eine kontrollierte Führung der Bewegung ermöglicht (Pilates Method Alliance, 2026).
Für wen interessant? Der Reformer kann besonders interessant sein, wenn jemand gerne mit einem dosierbaren Widerstand trainiert oder bei bestimmten Bewegungen zusätzliche Unterstützung benötigt. Auch für Fortgeschrittene bietet er viele Möglichkeiten, bereits bekannte Bewegungen anspruchsvoller zu gestalten.
Wichtig ist dabei: Eine Übung, die am Reformer funktioniert, ist nicht automatisch eine Übung, die man nur dort durchführen kann. Viele Bewegungsmuster lassen sich auch auf der Matte oder mit kleineren Hilfsmitteln umsetzen. Der Unterschied besteht darin, wie die Bewegung unterstützt oder belastet wird.

Cadillac
Der Cadillac sieht deutlich spektakulärer aus: Über einer erhöhten Liegefläche befindet sich ein Rahmen mit Federn, Griffen und verschiedenen Stangen. Dadurch können Bewegungen im Liegen, Sitzen oder Stehen unterstützt oder gegen Widerstand ausgeführt werden. Das Gerät bietet besonders viele Möglichkeiten, den Körper in unterschiedlichen Positionen zu bewegen (Pilates Method Alliance, 2026).
Für wen interessant? Der Cadillac kann beispielsweise dann interessant sein, wenn Bewegungen stärker unterstützt werden sollen oder ein Trainer sehr gezielt mit unterschiedlichen Widerständen und Positionen arbeiten möchte. Er wird deshalb nicht nur im klassischen Pilates, sondern auch in rehabilitativen Zusammenhängen eingesetzt.

Chair
Der Pilates Chair ist wesentlich kleiner als der Reformer oder Cadillac, kann den Körper aber trotzdem vor erhebliche Herausforderungen stellen. Durch die Sitzfläche und den beweglichen Pedalmechanismus entstehen Übungen, bei denen beispielsweise Kraft, Gleichgewicht und Kontrolle gleichzeitig gefordert werden.
Für wen interessant? Besonders spannend kann der Chair für Menschen sein, die bereits etwas Pilates-Erfahrung haben und stärker mit Balance, einseitiger Belastung oder komplexeren Bewegungen arbeiten möchten. Er ist aber nicht grundsätzlich eine „höhere Stufe“ des Pilates – er stellt einfach andere Anforderungen.

Barrel
Beim Barrel steht dagegen weniger der Widerstand im Vordergrund. Die gebogene Form des Gerätes kann den Körper beispielsweise bei Übungen für die Wirbelsäule unterstützen und unterschiedliche Ausgangspositionen ermöglichen. Zu den klassischen Pilates-Geräten gehören unter anderem der Ladder Barrel und weitere Formen von Spine Correctors (Pilates Method Alliance, 2026).
Für wen interessant? Der Barrel kann besonders dann interessant sein, wenn Bewegungsumfang, Körperwahrnehmung und die Organisation der Wirbelsäule im Mittelpunkt stehen.
Und was ist mit Ball, Band oder Faszienrolle?
Hier wird es besonders interessant, denn man braucht nicht automatisch ein großes Pilates-Gerät, um eine Bewegungsidee zu verändern.
Ein kleiner Ball kann beispielsweise zwischen den Beinen eingesetzt werden, ein Band kann zusätzlichen Widerstand erzeugen und eine Rolle kann eine instabile oder veränderte Unterlage schaffen. Dadurch lassen sich manche Anforderungen, die man aus dem Geräte-Pilates kennt, teilweise auch mit deutlich einfacheren Hilfsmitteln erzeugen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Ball plötzlich einen Reformer ersetzt. Ein Reformer kann durch seine Federn Widerstand und Unterstützung sehr präzise dosieren und bietet dadurch Bewegungsmöglichkeiten, die mit einem kleinen Hilfsmittel nicht vollständig nachgebildet werden können.
Die Geräte sind also keine Voraussetzung dafür, Pilates „richtig“ zu machen. Sie sind Werkzeuge. Und wie bei jedem Werkzeug kommt es darauf an, was man damit erreichen möchte.
Gibt es überhaupt das eine „richtige“ Pilates?
Es existiert nicht die eine Pilates-Form, die für jeden Menschen am besten ist. Für den einen ist die Matte ideal, weil er sich auf die eigene Körperkontrolle konzentrieren möchte. Für jemand anderen bietet der Reformer genau die Unterstützung oder den Widerstand, den er für seine nächste Trainingsstufe braucht. Und wieder jemand anderes profitiert möglicherweise stärker von einem individuell angepassten Training am Cadillac oder Chair.
Letztlich spielt aber nicht nur das Trainingsziel eine Rolle. Auch die persönliche Vorliebe zählt. Der eine liebt das Training am Reformer und arbeitet gerne mit dem Gerät und seinem Widerstand, während jemand anderes lieber auf der Matte trainiert und sich dort wohler fühlt. Wenn beide Varianten sinnvoll angeleitet werden, kann die persönliche Vorliebe deshalb durchaus ein entscheidender Faktor sein. Denn die beste Trainingsform ist nicht immer die, die auf dem Papier am meisten Möglichkeiten bietet – sondern auch die, bei der man gerne trainiert und langfristig dabeibleibt.
Nicht das Gerät entscheidet über die Qualität des Pilates – sondern wie sinnvoll es eingesetzt wird.
Die Atmung im Pilates – warum sie anders funktioniert als im Yoga
Atmen passiert normalerweise völlig automatisch. Im Pilates wird daraus jedoch ein bewusster Teil der Bewegung. Nicht, weil es eine einzige „richtige“ Art zu atmen gäbe, sondern weil die Atmung gezielt genutzt werden kann, um Bewegung, Rumpfspannung und Körperwahrnehmung miteinander zu verbinden.
Die laterale Brustkorbatmung
Bei der im Pilates häufig gelehrten lateralen Brustkorbatmung liegt der Fokus beim Einatmen darauf, den Brustkorb vor allem nach seitlich zu erweitern. Stell dir vor, deine unteren Rippen würden sich wie ein Fächer nach außen öffnen. Der Bauch muss dabei nicht bewusst nach vorne gedrückt werden.
Das hat einen praktischen Hintergrund: Während der Brustkorb sich beim Einatmen ausdehnt, kann die Bauchmuskulatur weiterhin aktiv bleiben. Dadurch lässt sich die Atmung mit einer stabilen Körpermitte verbinden, anstatt für jeden Atemzug die Spannung im Rumpf vollständig aufzugeben.
Wichtig ist dabei: Die laterale Brustkorbatmung ist eine Pilates-Atemstrategie, keine allgemeingültige Vorgabe für jede Alltagssituation oder jede Form von Bewegung. Die Atmung eines Menschen darf sich je nach Belastung, Position und Ziel verändern.
Warum im Pilates nicht bewusst „in den Bauch“ geatmet wird
Damit ist auch ein häufiges Missverständnis geklärt: Pilates sagt nicht, dass Bauchatmung grundsätzlich schlecht oder falsch ist.
Der Unterschied liegt vielmehr darin, welche Aufgabe die Atmung während einer bestimmten Übung erfüllen soll. Wenn beispielsweise die Körpermitte stabil gehalten werden soll, kann es sinnvoll sein, die Bauchwand während des Einatmens nicht einfach vollständig nach außen entspannen zu lassen. Stattdessen wird versucht, weiterzuatmen und gleichzeitig die für die Übung notwendige Rumpfspannung aufrechtzuerhalten.
Gerade hier kommt das bereits erklärte Powerhouse wieder ins Spiel. Atmung und Rumpfspannung sollen nicht gegeneinander arbeiten, sondern miteinander funktionieren. Die Atmung wird damit zu einem Teil der Bewegungskontrolle.
Das bedeutet allerdings nicht, dass man während einer Pilates-Stunde permanent den Bauch einziehen oder möglichst viel Spannung erzeugen sollte. Zu viel Spannung kann eine Bewegung ebenso behindern wie zu wenig. Entscheidend ist, dass die Spannung zur jeweiligen Aufgabe passt.
Atmung und Bewegung – warum beides zusammengehört
Im Pilates wird die Atmung bewusst in die Bewegung eingebunden. Dabei geht es nicht darum, bei jeder Übung einen komplizierten Atemrhythmus auswendig zu lernen. Viel wichtiger ist das Grundprinzip: Die Atmung soll die Bewegung unterstützen und dabei helfen, sie kontrolliert auszuführen.
Typischerweise wird zunächst eingeatmet, um sich auf die Bewegung vorzubereiten. Ausgeatmet wird häufig während der eigentlichen Belastungs- oder Bewegungsphase. Das kann zum Beispiel bei einer kräftigeren Bewegung, einer Rotation oder beim kontrollierten Hineingehen in eine Dehnung der Fall sein. Das Ausatmen begleitet dabei die Bewegung, anstatt dass man während der Anstrengung die Luft anhält.
Warum ist das hilfreich?
Wenn Bewegung und Atmung miteinander verbunden werden, entsteht ein natürlicher Rhythmus. Man führt eine Bewegung nicht einfach möglichst schnell aus, sondern bekommt einen klaren Ablauf: vorbereiten, bewegen, ausatmen, kontrollieren. Dadurch kann es leichter fallen, unnötigen Schwung oder ruckartige Bewegungen zu vermeiden.
Dabei ist wichtig: Langsamkeit ist nicht das Ziel. Jeder Mensch bewegt sich in seinem eigenen Tempo. Eine Bewegung kann bei einer Person deutlich schneller aussehen als bei einer anderen und trotzdem bei beiden kontrolliert sein. Entscheidend ist, dass die Bewegung zum eigenen Atemrhythmus passt und man sie jederzeit bewusst steuern kann.
Die Atmung kann dadurch auch helfen, die eigene Körperwahrnehmung zu verbessern. Man bekommt mehr Aufmerksamkeit dafür, wann man Spannung aufbaut, wann man sie wieder löst und ob eine Bewegung tatsächlich kontrolliert ausgeführt wird.
Auch wissenschaftlich gibt es Hinweise darauf, dass bewusst gesteuerte Atmung verschiedene körperliche und emotionale Prozesse beeinflussen kann, unter anderem kardiovaskuläre Parameter und die Herzfrequenzvariabilität (Shao et al., 2024). Diese Ergebnisse lassen sich allerdings nicht automatisch auf die spezielle Pilates-Atmung übertragen.
Die Atmung ist im Pilates deshalb kein zusätzlicher Schritt neben der Übung. Sie ist ein Werkzeug, das dabei helfen kann, Bewegung, Spannung und Körperwahrnehmung miteinander zu verbinden.
Pilates und Yoga – warum die beiden Trainingsformen oft verwechselt werden
Wer eine Pilates- und eine Yogastunde von außen betrachtet, kann zunächst einen ähnlichen Eindruck bekommen: kontrollierte Bewegungen, bewusste Körperhaltung, Konzentration und eine gezielte Atmung. Manche Übungen sehen sogar so ähnlich aus, dass die Frage naheliegt: Ist Pilates eigentlich eine Art Yoga?
Nein. Die Gemeinsamkeiten sind durchaus vorhanden, aber dahinter stehen unterschiedliche Bewegungssysteme mit unterschiedlichen historischen Wurzeln und Schwerpunkten.
Was Pilates und Yoga gemeinsam haben
Beide Trainingsformen verlangen mehr als nur eine Bewegung „irgendwie“ auszuführen. Körperwahrnehmung, Konzentration und eine bewusste Bewegungsausführung spielen eine wichtige Rolle.
Auch die Atmung wird in beiden Systemen bewusst eingesetzt. Sie kann dabei helfen, einen Bewegungsrhythmus zu finden und die Aufmerksamkeit auf den eigenen Körper zu lenken.
Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Kontrolle: Es geht nicht ausschließlich darum, eine Position möglichst weit oder eine Bewegung möglichst groß auszuführen. Entscheidend ist auch, wie der Körper die Bewegung organisiert und kontrolliert.
Damit können sowohl Yoga als auch Pilates körperlich anspruchsvoll sein, obwohl eine Übung von außen manchmal sehr ruhig aussieht.
Wo die entscheidenden Unterschiede liegen
Der größte Unterschied beginnt bereits bei der Entstehung. Yoga entwickelte sich über Jahrhunderte innerhalb der indischen Kultur und war historisch weit mehr als eine körperliche Trainingsform. Atemübungen, Meditation, philosophische Lehren und spirituelle Praktiken gehörten je nach Tradition ebenfalls dazu.
Pilates entstand dagegen im 20. Jahrhundert durch Joseph Pilates und wurde als körperliches Bewegungssystem entwickelt. Im Mittelpunkt standen unter anderem Körperkontrolle, Präzision, Atmung und die koordinierte Arbeit des Körpers.
Auch das Bewegungsverständnis unterscheidet sich. Im Pilates werden Bewegungen häufig sehr gezielt organisiert und aus der Körpermitte heraus kontrolliert. Im Yoga gibt es je nach Stil eine enorme Bandbreite – von eher statischen Positionen bis hin zu dynamischen Bewegungsabfolgen.
Bei der Atmung gibt es ebenfalls Gemeinsamkeiten, aber unterschiedliche Schwerpunkte. Pilates nutzt beispielsweise häufig die laterale Brustkorbatmung, um Atmung und Rumpfspannung miteinander zu koordinieren. Im Yoga existiert dagegen eine wesentlich größere Vielfalt an Atemtechniken, die teilweise eine eigenständige Praxis darstellen.
Auch die Spiritualität unterscheidet beide Systeme historisch deutlich. Sie ist ein Bestandteil vieler Yoga-Traditionen, während Pilates nicht aus einer spirituellen Tradition heraus entstanden ist.
Und schließlich unterscheidet sich der Trainingsaufbau. Eine Pilates-Einheit kann sich beispielsweise stark an einer bestimmten Bewegungsausführung und der kontrollierten Belastung des Körpers orientieren. Eine Yogastunde kann dagegen – abhängig vom Stil – Körperhaltungen, Bewegungsfolgen, Atemübungen, Meditation oder Entspannung miteinander verbinden.
Deshalb wäre es zu einfach zu sagen: Pilates ist Yoga ohne Spiritualität. Genauso wenig ist Yoga einfach Pilates mit Meditation. Beide haben sich aus unterschiedlichen historischen und konzeptionellen Zusammenhängen entwickelt.
Warum beide trotzdem gut miteinander kombiniert werden können
Gerade weil die Schwerpunkte unterschiedlich sind, müssen Pilates und Yoga keine Konkurrenten sein.
Wer beispielsweise mit Pilates gezielt an Körperkontrolle, Rumpfstabilität und präziser Bewegung arbeitet, kann Yoga nutzen, um andere Aspekte wie Bewegungsvielfalt, Körperwahrnehmung oder – abhängig vom gewählten Stil – Atem- und Entspannungspraxis einzubeziehen.
Umgekehrt kann jemand, der hauptsächlich Yoga praktiziert, Pilates als Ergänzung interessant finden, wenn gezielter an bestimmten körperlichen Fähigkeiten gearbeitet werden soll.
Dabei muss man sich auch nicht für eine Seite entscheiden. Die sinnvollere Frage lautet nicht „Yoga oder Pilates?“, sondern: Was möchte ich mit meinem Training erreichen – und welche Methode unterstützt dieses Ziel am besten?
Fazit
Pilates ist heute deutlich vielseitiger, als es auf den ersten Blick wirkt. Ob auf der Matte, am Reformer oder mit Geräten wie Cadillac, Chair oder Barrel – die äußere Form kann sich verändern, während zentrale Elemente wie kontrollierte Bewegung, Körperwahrnehmung, Atmung und bewusste Rumpfspannung erhalten bleiben.
Auch die Atmung zeigt, dass Pilates nicht einfach nur aus einer Sammlung von Übungen besteht. Die laterale Brustkorbatmung soll dabei helfen, Atmung und Bewegung miteinander zu verbinden und gleichzeitig die notwendige Kontrolle der Körpermitte aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig haben wir gesehen, dass Pilates und Yoga zwar einige Gemeinsamkeiten besitzen, aber aus unterschiedlichen Traditionen und Bewegungskonzepten entstanden sind.
Und vielleicht ist genau das der wichtigste Punkt: Es gibt nicht die eine Pilates-Form, die für jeden Menschen am besten funktioniert. Matte, Reformer und andere Geräte bieten unterschiedliche Möglichkeiten. Welche davon sinnvoll ist, hängt vom Trainingsziel, den eigenen Voraussetzungen – und letztlich auch davon ab, womit man gerne trainiert.
Ausblick: Wie sich Pilates modern weiterentwickelt hat
Damit stellt sich die nächste spannende Frage:
Was passiert, wenn eine rund hundert Jahre alte Trainingsmethode auf das heutige Wissen über Bewegung und Training trifft?
Genau darum geht es im nächsten Beitrag.
Wir schauen uns an, wie sich Pilates seit Joseph Pilates weiterentwickelt hat, was moderne Trainingswissenschaft mit Belastungssteuerung, Krafttraining und Bewegungslernen verändert hat und warum heute stärker auf individuelle Anpassung geachtet wird.
Dabei geht es auch um die Frage, ob klassisches Pilates und Contemporary Pilates tatsächlich Gegensätze sind – oder ob beide Ansätze sinnvoll nebeneinander bestehen können.
Und schließlich schauen wir genauer hin: Was kann Pilates wirklich leisten – und wo stößt die Methode an ihre Grenzen? Denn Pilates muss nicht alles können, um eine wertvolle Trainingsform zu sein. Entscheidend ist, zu verstehen, wo seine Stärken liegen und wann andere Trainingsformen eine sinnvolle Ergänzung darstellen.




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